Sprache der Parteien

Parteien sind eine der etabliertesten Möglichkeiten, sich politisch zu engagieren. Dennoch geschieht dies immer seltener, was die Parteien beunruhigt. Es folgen einige diese Entwicklung berührende Ergebnisse, die sich ebenfalls aus den Gruppeninterviews ergaben und durch die Onlinebefragung mit Zahlen belegt werden können.

Abbildung 27: Unterscheidbarkeit von Parteien und politisches Engagement, Männer und Frauen im Alter von 16–19 Jahren

Unterscheidbarkeit von Parteien und politisches Engagement

Insgesamt stimmten der Aussage „Ich engagiere mich nicht politisch, weil ich sowieso nichts verändern kann“ 34,7 % der Frauen und 26,0 % der Männer zu. Trotz des geringeren Engagements von Frauen gilt hier für beide Geschlechter eine erhebliche Differenz von 18,7 Prozentpunkten zwischen denen, die höhere Bildungsabschlüsse anstreben und sagen, dass sie der Aussage nicht zustimmen, zu jenen, die mittlere und niedrige Schulabschlüsse zum Ziel haben.

In den Gruppeninterviews wurde auch die geringe Möglichkeit zur Unterscheidung von Parteien angesprochen. Verschiedene Formen des politischen Engagements von Information über Diskussion und Teilnahme an der Wahl bis hin zur Mitgliedschaft in einer Partei wurden dabei benannt.

Immerhin 72,6 % der Männer sagten von sich, sie könnten die politischen Parteien gut voneinander unterscheiden. Sie behaupteten dies um 22,9 Prozentpunkte mehr als Frauen (49,7 %). Die Prozentzahlen für Männer können zu einer Entspannung der Parteien beitragen, wobei die Güte der Unterscheidung hier nicht beschrieben werden kann. In den Gruppeninterviews wurden beispielsweise Einschätzungen deutlich, die als – häufig von Eltern übernommene – Klischees erkennbar waren. Knapp die Hälfte der Frauen gab an, Parteien nicht gut unterscheiden zu können.

Für Frauen und Männer gilt gleichermaßen: Mit der Höhe des angestrebten Bildungsgrades erhöht sich die Fähig-keit, politische Parteien zu unterscheiden. Diese Fähigkeit steigt um insgesamt 23,2 Prozentpunkte.

Das mangelnde politische Engagement infolge eines unterstellten mangelnden eigenen Einflusses hat offenbar nur bedingt mit einem klaren Parteienprofil zu tun. Seine Ursachen können hier nicht abschließend durch Zahlen geklärt werden. Der hohe Anteil der Befragten bei beiden Geschlechtern, die ihren eigenen Einfluss so gering schätzen, gibt dennoch genug Anlass, genauer nachzuforschen, ob und wie Parteien eine geeignete Form des politischen Engagements für Jugendliche sein können.

Die folgenden Abschnitte, die die Diskussion politischer Themen im privaten Alltag sowie die schulische Bildung beleuchten, geben weitere Impulse.