Einleitung und generelle Angaben

Grundsätzlich lässt sich feststellen: Die Aussagen aus dem theoretischen Modell werden durch die Onlineerhebung im Wesentlichen, zum Teil sogar durch sehr hohe Werte, bestätigt (z.B. der Wunsch nach einem früheren Beginn des Politikunterrichts). Einige Erkenntnisse aus den Gruppeninterviews wurden nicht bestätigt; darauf wird jeweils im Text hingewiesen.

Die Auswertung der Onlinefragebögen hat gezeigt, dass viele der Aussagen, die auf eine geringe Teilhabe am politischen Geschehen hindeuten, stärker auf Frauen als auf Männer zutreffen. Auch wenn dank mehrfachen, systematischen Prüfens der Zahlen keine Zweifel an diesen besteht, sind sie dennoch mit der gebotenen Vorsicht zu lesen. Die Auseinandersetzung mit Politik ist ein Thema, das durchaus gesellschaftlichen Erwartungen unterliegt. Es ist also denkbar, dass sowohl Frauen als auch Männer in einem sozial erwünschten Sinne geantwortet haben. Die Genderforschung sowie die auf Gender bezogene Politikforschung legen dies nahe.(1) Wann immer aus unserer Sicht dieses Phänomen aufgetreten sein könnte, taucht im Text, das am Anfang dieses Absatzes gezeigte Symbol auf, um das Bewusstsein für diese Situation zu schärfen.

In der Auswertung zeigten sich außerdem häufig deutliche Unterschiede mit Bezug auf den angestrebten Bildungsgrad. Erläuterungen zu den möglichen Bildungsabschlüssen finden sich im Glossar. Der Bildungsgrad wurde zusätzlich zur besuchten Schulform im Fragebogen abgefragt, um eine Angabe über das Milieu der Befragten zu erhalten. Dies ist als Annäherung zu verstehen und erklärt sich zum einen aus den Sinus-Milieus (2), die eine enge Kopplung von formalem Bildungsgrad und identifizierten Milieus aufweisen. Der Zusammenhang zwischen Herkunft (also dem Herkunftsmilieu) und Bildungsgrad (also dem künftigen Milieu von Kindern und Jugendlichen) in Deutschland ist zum anderen gut belegt.(3) Zur Kennzeichnung nutzen wir das Symbol mit den drei Kreisen.

In dieser Einleitung finden sich einzelne Aussagen zu wesentlichen Punkten, wie Interesse an Politik, Empfinden von Komplexität sowie Empfinden von Sprache. Nach der kurzen Einführung wird auf im Teil „1. Schritt: Gruppeninterviews“ eingeführte Themen ausführlich eingegangen. Wenn von „Befragten“ gesprochen wird, so ist – wenn nicht anders ausgewiesen – immer die Altersgruppe der 16- bis 19-Jährigen gemeint.

  1. (1) Siehe unter anderem: Wetterer, Angelika: Geschlechterwissen und soziale Praxis (2010); Dölling, Irene: Ein alltägliches Spiel: Geschlechterkonstruktionen in der sozialen Praxis (1997); Gildemeister, Regine (Hrsg.): Erosion oder Reproduktion geschlechtlicher Differenzierungen? (2007); Bourdieu, Pierre: Die männliche Herrschaft (2005); Kreisky, Eva: Das geheime Glossar der Politikwissenschaft (1997).
  2. (2) www.sinus-institut.de/…/sinus-milieus.html bzw. Erläuterung der Aktualisierung unter www.wib-potsdam.de/…/SinusMilieusUpdate_2010.pdf (PDF), S.9, jeweils 13.6.2011
  3. (3) http://www.bmbf.de/…/bildung_in_deutschland_2010.pdf, S.86, Abschnitt „Kopplung zwischen sozialer Herkunft und Schülerkompetenzen“, 13.6.2011