Die wichtigsten Zahlen im Überblick

Interesse an politischen Themen trotz Komplexität des politischen Systems

Eine der wesentlichen Erkenntnisse dieser Studie ist: Das Interesse an Politik ist bei den Befragten in hohem Maße gegeben. Die Auseinandersetzung mit politischen Themen wird jedoch als mühevoll angesehen.

Auf die Frage „Wie würdest du insgesamt dein Interesse an politischen Themen beschreiben?“ antworteten 53,1 % der Frauen, ein hohes Interesse an politischen Themen zu haben. 76,3 % der Männer gaben dies ebenfalls an.

Abbildung 10: Interesse an politischen Themen, Männer und Frauen im Alter von 16 –19 Jahren

Der Aussage „Es kostet Zeit und Mühe, um sich in den politischen Themen zurechtzufinden“ stimmten 66,2 % aller Befragten zu. Abbildung 11 zeigt auf, über welche Kanäle dies geschieht.

Abbildung 11: Informationsquellen für politische Themen, Männer und Frauen im Alter von 16–19 Jahren, * nach Top-Box-Ranking (mindestens 1 x pro Woche)

Wichtigkeit der Auseinandersetzung mit Politik und eigene Verantwortung

Der Aussage „Ich finde es wichtig, dass sich die Menschen mit der Politik auseinandersetzen“ stimmten 81,2 % aller Befragten zu. Diese Zustimmung teilt sich in 76,8 % der Frauen und 84,3 % der Männer auf.

Abbildung 12: Wichtigkeit der Auseinandersetzung mit Politik und Mitverantwortung, Männer und Frauen im Alter von 16–19 Jahren

Der Aussage „Ich bin für die Entwicklung der Politik mitverantwortlich“ stimmten 51,8 % aller Befragten zu. Dies sind 11,2 Prozentpunkte weniger – auch wenn die Zahlen nur sehr bedingt vergleichbar sind – als die Wahlbeteiligung bei der letzten Bundestagswahl.(4)

Sprache der Politiker/innen und Medien sowie Grad der empfundenen Informiertheit

Die Aussage „Politiker/innen sprechen absichtlich eine abgehobene Sprache“ bestätigten 59,1 % aller Befragten.(5)

In den Gruppeninterviews wurde neben dieser Kritik teils auch Verständnis für Politiker/innen geäußert. Zudem war in der spielerischen Simulation von Politiker/innen und Wähler/innen die zuvor kritisierte Sprache realer Politiker/innen teilweise bei den Schüler/innen selbst erkennbar.

56,1 % der Frauen und 44,2 % der Männer lehnten jedoch die Annahme „Wenn ich selbst Politiker/in wäre, würde ich so sprechen wie sie“ für sich ab.

Bei der Einschätzung, ob „Artikel in Zeitungen und Onlinemedien zu kompliziert“ seien, ergaben sich nach angestrebten Bildungsgraden (6) unterscheidbare Antworten: Die Befragten, die niedrige Schulabschlüsse anstreben, bejahten die Aussage zu 42,4 %. Die Befragten, die mittlere Schulabschlüsse anstreben, stimmten der Aussage zu 47,2 % zu. Jene, die höhere Schulabschlüsse anstreben, befürworteten die Aussage zu 28,1 %.

Abbildung 13: Empfundene Kompliziertheit schriftlicher politischer Berichterstattung nach angestrebten Bildungsgraden, Männer und Frauen im Alter von 16 –19 Jahren

In diesem Fall bietet sich auch ein erweiterter Blick nach Alter und Geschlecht an, denn bei der Onlineumfrage haben sich neben den 16- bis 19-Jährigen auch sehr viele Personen unter 16 Jahren beteiligt:

44,7 % der befragten Frauen zwischen 16 und 19 Jahren stimmten der Einschätzung, dass die Artikel in den Medien zu kompliziert seien, zu. Bei den unter 16-jährigen Frauen ist der Anteil mit 54,6 % deutlich höher.

25,3 % der befragten Männer zwischen 16 und 19 Jahren schlossen sich der Einschätzung an. Dies gilt auch für 35,9 % der unter 16-jährigen Männer. Bei beiden Geschlechtern ist die Zustimmung zu der vorgegebenen Aussage unter den jüngeren Befragten um ca. 10 Prozentpunkte höher als unter den älteren.

Im Vergleich interessant sind die Aussagen zu der Feststellung „Ich fühle mich ausreichend über aktuelle politische Themen informiert.“: 46,1 % der Frauen sowie 69,4 % der Männer stimmten ihr zu. Diese Zahlen sind bei den unter 16-Jährigen nur geringfügig anders: 43,1 % der Frauen und 65,6 % der Männer stimmten zu.

Die Zahlen zeigen klar auf, dass es einen deutlichen „Sprung“ des Verständnisses von Artikeln in Zeitungen und Onlinemedien mit dem Eintritt in die Sekundarstufe gibt. Formale Bildung ist also ein wesentlicher Aspekt für das Verständnis politischer Inhalte. Es zeigt sich auch ein deutlicher Unterschied zwischen Frauen und Männern. Frauen zwischen 16 und 19 Jahren empfinden die Kompliziertheit schriftlicher Sprache in den Medien um 19,5 Prozentpunkte deutlich stärker als Männer.

Informationsverhalten, Diskussion politischer Themen im Alltag und eigenes Engagement

59,7 % aller Frauen informieren sich über das Thema Politik nur, wenn es sich ergibt (z.B. durch die Schule oder das Fernsehen), lesen aber nur selten entsprechende Artikel. Dies gilt auch für 36,1 % aller Männer.

Abbildung 14: Zufallsgesteuertes Informationsverhalten bei politischen Themen, Männer und Frauen im Alter von 16–19 Jahren

Bei den Jüngeren steigen die Zahlen wiederum an: 64,2 % der Frauen und 49,5 % der Männer unter 16 Jahren bestätigten die oben genannte Aussage.

Für 35 % der Frauen gilt die Aussage „Ich unterhalte mich oft mit Freunden oder meiner Familie über Politik“. 55,9 % der Männer stimmten dieser Aussage ebenfalls zu.

Zu der Aussage „Ich engagiere mich nicht politisch, weil ich sowieso nichts verändern kann“ äußerten sich 50,2 % aller Befragten nicht zustimmend und 29,7 % zustimmend.

Bei dieser zentralen Aussage bietet es sich wiederum an, breiter zu vergleichen: Befragte aus den alten Bundesländern stimmten der Aussage „Ich engagiere mich nicht politisch, weil ich sowieso nichts verändern kann“ zu 49,4 % nicht zu. Dies gilt auch für 53,9 % der Befragten aus den neuen Bundesländern. Hier ergaben sich also 4,5 Prozentpunkte Unterschied.

Bei Befragten mit Zuwanderungshintergrund gibt es mit 34,5 % Zustimmung einen Unterschied von 5,6 Prozentpunkten zu den Befragten ohne Zuwanderungshintergrund, von denen 28,9 % der Aussage zustimmten.

Nennenswerte Unterschiede gab es im Hinblick auf die angestrebten Bildungsgrade:

44,2 % der Befragten, die niedrige Schulabschlüsse anstreben, stimmten der Aussage zu, sich nicht politisch zu engagieren, weil sie sowieso nichts verändern können. Dies gilt auch für 43,2 % der Befragten, die mittlere Schulabschlüsse anstreben, jedoch nur für 24,1 % der Befragten, die höhere Schulabschlüsse anstreben.

Abbildung 15: Grad des eigenen politischen Engagements, Angaben nach angestrebtem Bildungsabschluss, Männer und Frauen im Alter von 16 – 19 Jahren

Wesentliche Erkenntnisse aus den Gruppeninterviews wurden durch die Onlineumfrage bestätigt:

Das grundsätzliche Interesse an Politik ist gegeben, auch eine immerhin von der Hälfte der Befragten empfundene Verantwortung. Die Jugendlichen nehmen die Sprache von Politiker/innen zu großen Teilen als abgehoben wahr. Die Orte, wo sie mit politischen Themen in Berührung kommen, sind vor allem die Schule und dann in etwa gleichem Umfang die klassischen Medien sowie die Familie. Den Medien wiederum gelingt es nicht ausreichend, die abgehobene Sprache der Politik so zu vermitteln, dass sie verstanden werden kann. Dies gilt umso mehr für die Altersgruppe der unter 16-Jährigen.

Die Kritik an den Medien ist jedoch stark vom angestrebten Bildungsgrad abhängig: Angehende Abiturientinnen und Abiturienten sehen die Leistung der Medien im Sinne einer Übersetzung politischer Inhalte weniger kritisch, aber immer noch ausgeprägt. Die Information über Politik wird häufig nicht aktiv oder gar regelmäßig gesucht, sondern eher dem Zufall überlassen. Die Medien werden als nicht unterstützend für die eigene Meinungsbildung empfunden. Der Austausch mit Freunden oder der Familie – als Alternative zu den Medien – unterbleibt in der Regel bzw. bleibt eine Männerdomäne.

Vor diesem Hintergrund geringer Aktivität erscheint es folgerichtig, dass eigenes politisches Engagement großteils als nicht wirkungsvoll angesehen wird, wenn bereits die Möglichkeit der Teilhabe über Information nicht ausreichend wahrgenommen wird. Hier gibt es wiederum ei-
nen erheblichen Unterschied, wenn man die angestrebten Bildungsgrade in Betracht zieht: Angehende Abiturientinnen und Abiturienten sehen ihre Chance der Mitwirkung als deutlich größer an.

  1. (4) Quelle: Statistisches Bundesamt: Repräsentative Wahlstatistik Lizenz: Creative Commons by-nc-nd/3.0/de, Bundeszentrale für politische Bildung, 2010, http://www.bpb.de/…Wahlbeteiligung.html, 13. 6. 2011
  2. (5) Siehe auch Abschnitt „Sprache der Politiker/innen„.
  3. (6) Die angestrebten Bildungsgrade wurden folgendermaßen definiert:
    • niedrige Schulabschlüsse: Hauptschulabschluss nach der 9. Klasse, Hauptschulabschluss nach der 10. Klasse, kein Schulabschluss
    • mittlere Schulabschlüsse: mittlerer Schulabschluss (MSA [mit und ohne gymnasialer Empfehlung]), Realschulabschluss, Fachoberschulabschluss
    • höhere Schulabschlüsse: Berufsschulabschluss, Abitur, Abitur und Studium