Grounded Theory

Sprache durchzieht die ganze Gesellschaft, so auch das politische System, zu dem Politiker/innen, Medien und Bürger/innen gehören. Daher schien es unpassend, mit einer eng gefassten Fragestellung bzw. Hypothese in die Untersuchung zu gehen. So kristallisierte sich die Grounded Theory schnell als passende Herangehensweise heraus.

Grounded Theory ist eine wissenschaftliche Methode, die die Haltung eines Forschungsfeldes, in diesem Fall Jugendlicher zwischen 16 und 19 Jahren, zu einer Fragestellung untersucht. Im Wesentlichen funktioniert die Grounded Theory wie die Arbeit von guten Journalist/innen: Klare Fragestellung zu Beginn, dann Daten sammeln (z.B. Interviews), deren Aussagen miteinander abgeglichen werden. So offenbart sich nach und nach die Auffassung der Befragten zur Fragestellung. Dadurch können auch Themen und Aspekte berücksichtigt werden, die das Forschungsteam zu Beginn selbst gar nicht gesehen hat, den Befragten aber wesentlich erscheinen.

Dem Anspruch, eine realitätsbezogene Theorie zu entwickeln, wird durch mehrere Faktoren zugearbeitet: Die Grounded Theory unterscheidet sich von anderen Methoden sozialwissenschaftlicher Forschung grundlegend dadurch, dass sie keine eingrenzenden Annahmen (=Hypothesen) zu Beginn formuliert. Ebenso gilt es (abhängig von der methodischen Richtung) als vorteilhaft, vorab nicht die Publikationen anderer Wissenschaftler/innen zu diesem Thema gelesen zu haben bzw. sie zu berücksichtigen – sich also nicht von der bestehenden Theorie zum Thema beeinflussen zu lassen.(1) Als wichtig erachtet wird eine ausreichend präzise definierte Forschungsfrage.(2)

Diese ermöglicht es den Forscherinnen und Forschern, weitgehend unbefangen die Auffassung der Befragten zum Thema herauszuarbeiten und eine Theorie aus ihrer Sicht zu entwickeln.

Die Fragestellung der Forschungsgruppe war:

Wie muss die Sprache von Politiker/innen und politischen Institutionen sein, die jungen Bürger/innen

  • ein Verstehen des Inhalts ermöglicht und
  • den Austausch über politische Themen zwischen allen Beteiligten fördert?

Der Begriff „Austausch“ wurde bewusst nicht definiert. Es existiert eine breite theoretische Basis und darauf basierende Debatte zu diesem Begriff in den Politikwissenschaften.

Den ersten Schritt der Feldforschung bildeten Gruppeninterviews in Berliner Schulen unterschiedlicher Schulstufen und Stadtteile. So sollte eine milieuübergreifende Theorie mit qualitativen, also nicht standardisierten oder zählbaren Ergebnissen erreicht werden. Auf diesem Ergebnis, einem theoretischen Modell(3) basiert der Fragebogen, der online gestellt und insgesamt 30.122 mal komplett ausgefüllt wurde.

Die Gewinnung der Interviewpartner/innen fand durch direkte Anfragen an Berliner und Brandenburger Schulen statt. Die Teilnehmer/innen der Onlineumfrage wurden durch Werbung im sozialen Netzwerk schülerVZ gewonnen.

Um erste Ergebnisse abzugleichen, fand ein Expertengespräch mit Vertreter/innen aus Politik und Medien sowie einem Lehrer und einem Schüler statt.

Die Fragen des nachgelagerten Onlinefragebogens entstanden auf Basis der ersten Ergebnisse der Auswertung der Gruppeninterviews nach der Grounded Theory. Eins zu eins ließen sich diese Ergebnisse aber nicht immer nutzen. Originaltöne wie „Die lenken uns so wie so ein Schachspiel herum. Wir sind der Bauer auf einem Schachbrett.“ wurden daher z.B. übersetzt in „Der Staat unterstützt es, dass sich die Menschen politisch engagieren.“ mit Möglichkeiten der Ablehnung und Zustimmung, um eine tatsächlich mögliche Situation darzustellen und auf ihre Wahrscheinlichkeit hin abzufragen.

Eine überblicksartige Einordnung unserer Theorie in die bestehenden Wissenschaften findet sich im Kapitel „Einordnung ins Forschungsfeld„.

  1. (1) Glaser, Barney G.; Strauss, Anselm L. (1998), Grounded Theory. Strategien qualitativer Forschung. Bern, S.47
  2. (2) Siehe Kapitel „Erkenntnisinteresse und Forschungsfrage„.
  3. (3) Siehe Kapitel „Erkenntnisinteresse und Forschungsfrage“.