Handlungsempfehlungen für Medien

„Ich finde, dass die Medien nicht kritisch genug sind und dass die ja eigentlich auch eine Kontrollfunktion haben und die nicht so ganz wahrnehmen. Wenn das alles ein bisschen kritischer wäre und breiter gefächert, dann wäre das vielleicht auch interessanter. Da würde vielleicht auch das Interesse vieler Jugendlicher mehr geweckt werden.“ (Gymnasium)

„Die Medien, an die man rankommt, die sagen auch nicht wirklich das, was man wissen will. Sie stellen nicht diese Fragen, die man sich selber stellt.“ (Gymnasium)

„Letztens habe ich gelesen, dass in Birma diese Frau freigelassen wurde. Da wusste ich ehrlich gesagt gar nicht, was da vorgefallen ist, wann die inhaftiert worden ist. Solche Sachen, da kann ich dann inhaltlich nicht viel mit anfangen.“ (Gymnasium)

„Wenn man so einen Biologietext hat voller Fachwörter aus der Biologie, dann interessiert man sich weniger dafür, als wenn da noch ein paar Bilder sind und es schön einfach geschrieben ist. Und man den einfach schnell mal durchlesen kann. Man liest es sich dann eher durch, als so einen Schwarz-Weiß-Text mit tausend Fachwörtern drin.“ (Oberschule)

59,7 % aller Frauen informieren sich über das Thema Politik nur, wenn es sich ergibt (z.B. durch die Schule oder das Fernsehen), lesen aber nur selten entsprechende Artikel. Dies gilt auch für 36,1 % aller Männer.

Abbildung 41: Informationsverhalten bei politischen Themen, Männer und Frauen im Alter von 16 – 19 Jahren

„Artikel in Zeitungen und Onlinemedien sind häufig zu kompliziert.“: Befragte, die niedrige Schulabschlüsse anstreben, stimmten dieser Aussage zu 42,4 % zu. Jene, die mittlere Schulabschlüsse zum Ziel haben, befürworteten die Aussage zu 47,2 %. Befragte, die höhere Schulabschlüsse anstreben, teilten nur zu 28,1 % diese Ansicht.

Abbildung 42: Empfundene Kompliziertheit schriftlicher politischer Berichterstattung nach angestrebten Bildungsgraden, Männer und Frauen im Alter von 16 – 19 Jahren

53,7 % aller Befragten stimmten der Aussage „Medien (Zeitungen, Fernsehsendungen, Nachrichten, Onlineportale usw.) berichten häufig nicht objektiv über politische Themen“ zu.

Die Befragten, die niedrige Schulabschlüsse anstreben, stimmten mit der Aussage zu 42,2 % überein. Jene, die mittlere Schulabschlüsse zum Ziel haben, bejahten sie zu 49,3 %. Und die Befragten, die höhere Schulabschlüsse anstreben, stimmten der Aussage zu 56,1 % zu.

Abbildung 43: Mangelnde Objektivität der Medien, Männer und Frauen im Alter von 16 – 19 Jahren

Medien werden im Grunde dankbar angenommen, weil sie die Komplexität des politischen Geschehens reduzieren, z. B. durch Zusammenfassungen, Einordnungen und Kommentare. Durch das Internet kann man zudem schnell Vergleiche anstellen und Begriffe oder Themen recherchieren.

Bis auf wenige Ausnahmen jedoch besteht Unzufriedenheit mit dem aktuellen Medienangebot. Diese Ausnahmen bestechen vor allem durch Verständlichkeit und erfüllen so im Wesentlichen die Anforderungen, die auch an Politiker/innen, Parteien und politische Institutionen gestellt werden. Hier könnten aus Sicht der Jugendlichen viele Medien deutlich besser eine Übersetzungsleistung vollbringen, indem sie

  • eine verständliche Sprache benutzen
  • den Hintergrund schildern
  • Grafiken zur Erklärung von Sachverhalten und Meinungen nutzen, insbesondere bei schwierigen Themen wie beispielsweise aus der Finanzwelt
  • Fachbegriffe erklären

Darüber hinaus sollten die Medien aus Sicht der Jugendlichen ihre Unabhängigkeit stärker erhalten und ihre Aufgabe als vierte Macht im Staat stärker wahrnehmen. Dies kann vor allem dadurch geschehen, dass sie sowohl kritisch als auch fair nachfragen – auch, wenn die politische Orientierung der Verlagsoder Redaktionsleitung mit den Gesprächspartner/innen übereinstimmt.

Erwartbare Effekte

Medien würden als wertvolle Unterstützer bei der Beschaffung und Organisation politischer Bildung geschätzt werden.

Sie könnten entscheidend dazu beitragen, dass das vorhandene politische Interesse der Jugendlichen durch verständliche Information so angereichert wird, dass die Jugendlichen sich eine ausgewogene politische Meinung bilden können.

Die Medien könnten zudem dazu beitragen, dass die Annahme, dass das politische System ohnehin fremdgesteuert sei, glaubhaft aufgelöst wird.

Die aufgezeigten Zusammenhänge in diesem Abschnitt werden in Abbildung 6: Zusammenfassung „Sprache in den Medien“ deutlich.