Sprache in den Medien

Die Medien werden bis auf wenige Ausnahmen als Teil des überwiegend kritisierten politischen Systems gesehen. Die wenigen Ausnahmen kommen zum Großteil aus der Welt der Kindermedien – doch in diesem Zusammenhang wurde die Befürchtung geäußert, dass die einfache und verständliche Sprache, wie sie für Kinder verwendet wird, in der politischen Welt als lächerlich gelten könnte.

Anspruchsvolle Sprache in den Medien – erlahmendes Interesse bei den Jugendlichen

„Ich glaube, Politik gucken sehr wenige im Fernsehen. Das ist ein bisschen zu anspruchsvoll, würde ich mal sagen. Weil wir nicht so mit der Politik vertraut sind. Das ist ja nichts, was uns fesselt, wo wir dann sagen können, da hören wir gern zu.“ (Oberstufe)

„Ich stolpere beim Zeitunglesen schon über viele Fremdwörter oder einfach Fachwörter, die mir einfach nichts sagen. Mein Vater ist ein ganz guter Ansprechpartner, da kann ich nachfragen. Aber wenn ich bestimmte Begriffe nicht verstehe, dann kann ich halt auch mit dem ganzen Artikel nicht viel anfangen und dann gucke ich auch nicht fünf Wörter nach.“ (Waldorfschule)

Nachvollziehbare Sprache in den Medien weckt Interesse

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass politische Themen oder Zusammenhänge gut dargestellt werden können. Das wäre ja dann eine Kinderzeitung. Das würden ja dann wahrscheinlich gebildetere Menschen lächerlich finden, wenn da Vergleiche aus dem Alltag stehen würden.“ (Berufsschule)

„Bei KiKa-Nachrichten, da wird alles super erklärt.“ (Sekundarstufe I)

„Wenn man auf Spiegel online liest (…) die schreiben es eigentlich nicht so, dass man es nicht versteht.“ (Gymnasium)

„Bei manchen Zeitungen ist es ja auch ganz einfach. Ich lese Zeitungen als Beruf bei meiner Tante in der Kanzlei. Da lese ich immer Tagesspiegel und Morgenpost, BILD, BZ und alle Klatschzeitungen. Manchmal ist es dann ganz praktisch, die BILD zu haben, das wird da einfach sehr für Dumme erklärt. Deswegen hat man so viel Spaß dran, da versteht man immer viele Sachen. Die können ganz gut erklären, weil die immer diese ganz kurzen Sätze haben und viele Bilder.“ (Waldorfschule)

Medien, die eine Zusammenfassung und Kommentierung der komplexen politischen Welt bieten, werden geschätzt. Deutlich wird jedoch erkannt, dass sowohl die Zusammenfassung als auch der Kommentar die Gefahr von Beeinflussung in sich tragen.

In vielen Punkten ähneln die Kritikpunkte in Richtung Politiker/innen denen, die an die Medien gerichtet werden: Die Gefahr von Beeinflussung reicht in den Augen der Schüler/innen so weit, dass Manipulation unterstellt wird. Hier deutet sich die Annahme einer Verflechtung zwischen Medien und Parteien an, die im Abschnitt „Welche Auswirkungen der politischen Sprache werden von den Jugendlichen benannt?“ noch stärker beleuchtet wird. Zudem unterstützen Medien-Formate wie Talkshows aber auch einzelne Medien eine aggressive Form der politischen Auseinandersetzung, die nicht geschätzt wird.

Komplexitätsreduzierung wird gewünscht, die Gefahr von Beeinflussung jedoch gesehen

„Die Zeitung ist ja schon so gigantisch, dann ist der Artikel so gigantisch, dann bin ich gleich so überfordert. Also dann gucke ich es mir lieber mir kurz die Zusammenfassung im Fernsehen an.“ (Gymnasium)

„Die Reden werden ja jedes Mal live übertragen und dann gibt es noch mal eine Wiederholung im Radio davon. Mein Vater hört sich das an, dann höre ich da zu (…) aber man geht dabei einfach ein. Es ist halt voll umständlich, wenn du es auch einfach auf zwei Seiten nachlesen kannst zwei Stunden später. Dann hast du eben eine gekürzte, allerdings vielleicht schon mit Meinung belastete Fassung.“ (Berufsschule)

„Dass ich mir angucke, was der da die ganze Zeit erzählt, das mache ich z.B. überhaupt nicht. Weil das halt so lang und wuschelig ist und es zieht sich. Da gucke ich mir lieber im Nachhinein einen Bericht darüber an oder les‘ mir halt einen Bericht darüber durch, wo noch mal die wichtigsten Punkte aufgezählt werden.“ (Oberstufenzentrum)

„Die Medien versuchen, uns zu manipulieren. Also, nicht direkt zu manipulieren. Es geht mehr um den Inhalt, wie perfekt und glatt alles klingt: Es wird schon alles gut gehen und es gibt gar keine Probleme (…)“ (Berufsschule)

„Ich finde z.B. interessant, der Typ von WikiLeaks, der packt das einfach nur ins Netz und dann kann sich jeder das angucken. Aber er schreibt ja nicht seine eigene Meinung dazu. Zumindest ist die dann separat und dann kann jeder sozusagen für sich entscheiden, was er davon hält. Das ist im Gegensatz zu den Medien, die man sonst kennt, im Spiegel oder rbb, die ganzen Fernsehsender. Die gehören ja auch mehr zu den Parteien. Man kann die Linie zwischen den Nachrichten und dem Kommentar von den Medien nicht stark genug erkennen.“ (Berufsschule)

„Ich gucke eigentlich viel Fernsehen, höre Radio und lese viel. Aber ich finde, das ist alles halt sozusagen bestochen und die lenken uns so wie so ein Schachspiel herum. Wir sind der Bauer auf einem Schachbrett.“ (Berufsschule)

„Man kann ja auch zu einem Thema mehrere Kommentare durchlesen und hat dann auch gleich ein Repertoire an Meinungen und kann dann daraus seine eigene Meinung ziehen. Das bringt mehr, finde ich, als so eine neutrale Berichterstattung zu dem Thema.“ (Waldorfschule)

Aggressionsfördernde Polit-Formate in den Medien wirken abstoßend „Ich habe nicht so viel mit Politik zu tun. Wenn ich mal was sehe, dann sind es zufällig diese Talkshows, wo die miteinander reden und sich dann alle gegenseitig fertig machen mit Wortgefechten und so. Aber auf so was habe ich keine Lust, mir das anzugucken. Ich kann es einfach nicht leiden, wenn man dazwischen quatscht. Die machen das und dann schalte ich um, bin ich auch ganz ehrlich.“ (Oberstufenzentrum)

„Das Problem sind solche Zeitungen wie die Bild. Die schreibt halt, was die CDU-Politiker sprechen. Vielleicht am besten auch mal alle, die ein bisschen dunklere Haut haben, in Schutzhaft nehmen wollen und so. Also dann geht es halt ganz schnell über in diese Polemik.“ (Gymnasium) siehe Abbildung 6.

Abbildung 6: Zusammenfassung „Sprache in den Medien“