Welche Auswirkungen der politischen Sprache werden von den Jugendlichen benannt?

Die geschilderten Auswirkungen politischer Sprache auf die Beteiligung der Jugendlichen an der politischen Debatte und auf ihr Engagement sowie ihre Bereitschaft, sich über Politik zu informieren, sind erheblich. Man kann sie im Wesentlichen entlang einer Achse zwischen den Polen „demokratiefördernd“ und „demokratiezerstörend“ anordnen (siehe Abbildung 9).

Selten wurde in den Gruppeninterviews von eigenem politischem Engagement berichtet. Die Jugendlichen berichteten dann von der Freude, mit Gleichgesinnten zusammenzuarbeiten – aber auch davon, dass sie bei ihren Mitschüler/innen deswegen teils weniger beliebt seien, weil sie Position beziehen und dadurch Konflikte hervorrufen.

Eigenes politisches Engagement macht Sinn und Spaß, kann aber auch sozial isolieren

„Ich war bei der Jungen Union kurze Zeit eingeschrieben. Und habe viele Freunde aus der SPD, der CDU, Antifa auch ein paar. Ich bin politisch sehr interessiert und lese täglich Zeitung, also eher drei als eine.“ (Oberstufenzentrum)

„Ich bin in der Linkspartei. Wir organisieren Demonstrationen. Alles außerparlamentarisch natürlich. Wir haben nicht viel mit dem Parlament zu tun.“ (Gymnasium)

„Man wird aufgrund seiner politischen Meinung in so Ecken gestellt. Und die Sympathien richten sich danach aus. Du bist sehr schnell in so einer Schublade. Man ist persönlich unsympathisch, weil man anders argumentiert.“ (Gymnasium)

Abbildung 9: Theoretisches Modell auf Basis der Gruppeninterviews, Fokus rechtes Feld

„Wir haben z.B. eine GSV und einen Bezirksschülerausschuss. Diese Gremien, die man belegen kann, um sich Gehör zu verschaffen und auf Probleme hinzuweisen. Zusätzlich haben wir noch freiwillig ein Komitee gegründet, um generell das Thema Schulpolitik in die Runde zu schmeißen. Denn das ist überhaupt gar kein Thema. Aber da ist es halt so, dass wir nicht viele Zuhörer haben und auch angefeindet werden.“ (Gymnasium)

Häufiger kam es vor, dass geschildert wurde, wie plötzlich aufgeflammtes politisches Interesse planvoll in eine aktive Auseinandersetzung mit dem entsprechenden Thema überführt wird.

Dies geschieht z.B. unterwegs durch das Aufschnappen von Schlagzeilen, die dann zu Hause – meist im Internet – gezielt nachgelesen werden. Dieser zielgerichtete Einsatz von Medien soll zu einer fundierten, abgerundeten Meinung über relevante politische Themen führen. Gespräche finden häufiger, wenn auch eher zufällig, statt.

Vereinzelt tauchten – allerdings unbewusst – Verhaltensmerkmale bei den Interviewten auf, die bei Politiker/innen auch kritisiert worden waren: Abgrenzung gegenüber denjenigen, deren (politische) Bildung niedriger als die eigene eingeschätzt wurde.

Zur Wahl zu gehen, wird als künftig wahrzunehmende Pflicht angesehen.

Interesse und aktive Auseinandersetzung mit politischen Themen – ein Spektrum vom Prinzip Zufallssteuerung über Meinungspuzzle bis zu vergleichender Recherche

„Ich treffe eigentlich immer nur zufällig auf solche Themen. Z.B., wenn ich im Internet bin, meine Emails kontrollieren will, dann gucke ich auch meistens auf die Startseite und dort sind schon solche aktuellen Themen aufgelistet. Oder wenn ich mir morgens meine Brote für die Schule schmiere, dann mache ich auch das Radio an und höre dann auch immer so Sachen. Also das ist dann immer zufällig, aber regelmäßig.“ (Oberstufenzentrum)

Schüler: „In der Abendschau oder Tagesschau werden ja auch immer Sachen aus dem Senat gezeigt. Und Zeitungen, da wird ja gesagt, der und der Politiker hat das und das gesagt und der gehört der Partei an. Und im Radio wird ja auch manchmal was gesagt, so als Medienquelle.“

Interviewer: „Das heißt, du baust dir aus ganz vielen verschiedenen Quellen deine Informationslage zusammen und entscheidest (…)“
Schüler: „Wer meiner Meinung am nächsten ist, ja.“ (Oberschule)

„Ich gucke mir mehrere Quellen an und entscheide mich dann für eine, die auch vertrauenswürdig klingt. Oder am einfachsten.“ (Gymnasium)

Interviewerin: „Und woher bekommt ihr eure Informationen?“
Schülerin: „Im Internet und aus der Bibliothek.“
Interviewerin: „Aus der Bibliothek?“
Schülerin: „Ja, ich bin eigentlich fast jedes zweite Wochenende da.“ (Gymnasium)

Internet: Allmächtiges Werkzeug, Quelle für individuell passenden Informationsgrad – trotzdem kein uneingeschränktes Vertrauensmedium

„Wenn ich z. B. Radio höre oder Zeitung lese oder Fernsehen schaue (…) dann gucke ich, ob mich das Thema interessiert und wenn es mich interessiert, dann gucke ich einfach im Internet nach. Weil das Internet die informativste Plattform ist, denke ich mal. Ist auch eigentlich logisch, denn die Zeitungsartikel sind im Internet, alles ist im Internet.“ (Oberstufenzentrum)

Schülerin: „Wenn wir in der Schule nichts verstehen, fragen wir den Lehrer, dass er es uns erklärt. Zuhause habe ich gegoogelt.“
Interviewerin: „Wo googlest du, also auf welchen Seiten bleibst du dann sozusagen hängen, wo guckst du nach?“
Schülerin: „Ich gebe das Wort ein und gucke immer, wo es am anschaulichsten steht. Das ist keine bestimmte Seite.“ (Oberstufe)

„Wenn ich jetzt was Spezielles wissen will, dann gucke ich im Internet nach. Aber wenn ich jetzt nur mal was aufschnappen will von Politik, gucke ich Fernsehen, wenn die News und so laufen.“ (Sekundarstufe I)

„Ich weiß nicht, also wenn man wirklich was wissen will, dann natürlich auch Zeitung, Internet, aber dann muss auch wirklich erst mal ein Thema eben kommen, das einen auch wirklich viel interessiert.“ (Gymnasium)

„Bei vielen Sachen gucke ich dann noch mal, dann google ich noch mal, um noch mal andere Quellen zu haben.“ (Gymnasium)

„Ich würde ins Internet gehen und ein bisschen was eingeben und dann lesen. Aber Internet lügt manchmal. Ich muss das selber sehen und mich selber überzeugen.“ (Berufsschule)

Politische Begriffssicherheit erhöht den eigenen gesellschaftlichen Status

„‚Die Zeit‘ ist zwar schon anspruchsvoller als der ‚Tagesspiegel‘. Aber wenn man ein gewisses Vokabular hat, dann kann man das auf jeden Fall verstehen. Also, das finde ich eigentlich nicht das Problem.“ (Waldorfschule)

„Unsere Verwandten wohnen in Dresden. Das soll jetzt wirklich nicht abwertend sein. Aber meine Mutter informiert sich für ihren Job natürlich viel und dadurch erzählt sie mir auch viel. Und wir haben uns mal deren Zeitung angeguckt und es ist wirklich ganz, ganz schrecklich. Das ist so ein bisschen besser als die ‚Bild‘ bei uns.“ (Gymnasium)

Diskussionen finden in einem als entspannt empfundenen privaten Kontext statt – oder in gutem „PW“-Unterricht

„Es kommt manchmal vor, dass wir einfach ein Thema aufschnappen und darüber anfangen zu diskutieren. Manchmal ist es sehr lustig. Ich habe auch ältere Bekannte und die sind vom Bildungsstand ein bisschen weiter oben und da hört man halt auch gerne zu. Sagen tue ich dazu meist weniger, weil ich mir eingestehen muss: ‚Ich habe einfach nicht so viel Ahnung.‘ Aber manchmal ist es echt erstaunlich, was so aus einem rauskommt.“ (Berufsschule)

„Man kennt ja seine Freunde und man weiß auch, was die so einigermaßen interessiert und wenn man dann weiß, das könnte den auch interessieren, dann wird darüber schon gesprochen. Nicht stundenlange Debatten, sondern es wird dann mal kurz in der Pause erwähnt. So fallengelassen und entweder wird es aufgegriffen oder nicht. Es wird dann öfter mal aufgegriffen, aber ist dann nach drei, vier Minuten auch wieder erledigt.“ (Gymnasium)

„Letztes Jahr in der elften Klasse wurde PW als Profilkurs angeboten. Da dachte ich mir: ‚Cool, gehe ich rein.‘ Dann war ich da und mir hat es sehr gefallen. Weil es sehr viel Spaß macht, weil wir halt viel diskutieren.“ (Gymnasium)

Wählen gehen als Balanceakt zwischen bürgerlicher Pflicht und dem eigenen Gewissen

Schüler: „Ich würde nicht sagen, dass ein Nichtwähler sich nicht für Politik interessiert. Ich kenne ein paar Nichtwähler, die haben ein sehr, sehr großes Interesse an Politik. Aber sind einfach mit der aktuellen Politik total unzufrieden. Würde ich auch sagen.“
Schüler: „Ja, das ist eigentlich auch der Hauptgrund für die Politikverdrossenheit, dass sich viele Leute einfach nicht mehr repräsentiert fühlen.“ (Berufsschule)

„Ich find‘ es auf jeden Fall gut, dass man wählen gehen kann.“ (Berufsschule)

„Ich denke schon, dass es wichtig ist, wählen zu gehen. Dann müsste man sich auf jeden Fall vorher informieren, was die Parteien genau wollen.“ (Oberstufenzentrum)

„Diese Bürgermeisterwahl, da würde ich schon wählen gehen. Auf die Stadt Berlin bezogen, ist es dann schon wichtig. Aber sonst ist es nicht so wichtig.“ (Gymnasium)

Schüler: „2013 ist wieder Bundestagswahl, 2009 wurde gewählt.“
Schülerin: „Cool, dann kann ich ja auch schon wählen.“
Schüler: „Natürlich wählst du da.“ (Sekundarstufe I)

„Ob ich jetzt wählen gehe, weiß ich noch nicht. Ich würde mich auch vorher informieren. Ich würde mich dann davor entscheiden, also noch nicht jetzt. Also ich weiß nicht genau.“ (Gymnasium)

„Ich finde, wenn man sich für Politik interessiert, dann sollte man das richtig tun und nicht nur so halb, immer nur zu den Wahlen gehen, einfach irgendjemanden wählen. Also wenn, dann schon wirklich ganz oder gar nicht.“ (Berufsschule)

„Ich würde auch sagen, ich bin eigentlich prinzipiell geneigt, wählen zu gehen und würde mich vorher informieren. Aber erst mal sehen, ob es überhaupt eine Parteigibt, die mich entsprechend vertreten kann, wenn ich mich mit dem Programm beschäftigt habe.“ (Gymnasium)

Häufig wurde in den Interviews die geringe Hoffnung, wirklich mitentscheiden zu können, zum Ausdruck gebracht. Hier wurden oft „der kleine Mann“ und „das Volk“ erwähnt, welche gar keine Chance zur Veränderung haben und sich darum folgerichtig auch nicht informieren bzw. an den Wahlen beteiligen.

Vereinzelt wurde diese passive Haltung durch einen unbekümmerten Fatalismus begleitet, der davon ausgeht, dass das politische System schon dafür sorgen wird, dass es sich selbst und damit die staatlichen Funktionen erhält. Auch wurde vermutet, dass man sich dies in Deutschland gestatten könne, weil das politische System stabil genug sei.

Fatalismus, Resignation und Zynismus aus der Perspektive des „kleinen Mannes“

Schüler: „Na, die kleinen Bürger können nichts machen, nur theoretisch.“
Schüler: „Wenn sich alle zusammenschließen, dann ja, aber (…)“
Schüler: „Alle schimpfen nur und dann machen sie nichts.“
Schüler: „Ach, man wählt einfach einen und wenn der Kacke baut, wird er abgesetzt, kommt der nächste an die Macht.” (Sekundarstufe I)

Interviewer: „Gibt es auch positive Aspekte, die ihr mit Politik verbindet?“
Schüler: „Nein, Politik ist einfach nur so ein schwarzes, leeres Kästchen und danach kommt gar nichts mehr.“ (Berufsschule)

„Komisch, wenn alles so verschuldet ist, ist eigentlich die nächsten Jahre gar keine Steuersenkung mehr drin. Aber versprechen tut das trotzdem jeder. Ich weiß auch nicht. Also ich glaube, ich müsste auch gewählt werden, ich verspreche das Blaue vom Himmel.“ (Berufsschule)

„Ich kann zwar die Parteien wählen, aber groß Mitbestimmungsrecht, was die denn so durchbringen, habe ich eigentlich nicht. Also ist es eigentlich nicht so wichtig, ob ich nun die Partei wähle oder die.“ (Oberschule)

„Ich denke, dass in Deutschland zu viele Leute von Arbeitslosigkeit oder Krankenkassenoder Steuererhöhung betroffen sind. Dass sie einfach gar keine Lust mehr haben, sich daran zu beteiligen, weil sie sich einfach so schlecht behandelt fühlen, dass sie sagen: ‚Jetzt wähle ich da auch nicht mehr mit, weil es ändert sich eh nichts‘.“ (Gymnasium)

„Wir als Volk stehen ja praktisch unter einer Regierung und wir können ja nicht wirklich was machen.“ (Gymnasium)

„Ich habe nicht das Gefühl, dass wir zu wenig Informationen kriegen. Sondern eher, dass die Politiker nicht interessiert, was wir machen. Und dass man das Gefühl hat, man kann eh nichts verändern.“ (Gymnasium)

„Ich glaube, es ist schon zu spät, um was zu ändern. Man hätte von vornherein dafür sorgen müssen, dass sich die Menschheit mehr für Politik interessiert. Jetzt haben sowieso schon alle ihre Einstellung und die Jugendlichen haben sowieso gar keinen Bock auf Politik. In der Schule interessieren sich auch nicht für Politik.“ (Sekundarstufe I)

Interviewer: „Warum sagst du Demokratie in Anführungszeichen? Denkst du, dass wir keine Demokratie haben?“
Schüler: „Nein, nicht wirklich. Einen Rechtsstaat, aber mehr auch nicht, finde ich.“ (Sekundarstufe I)

Schülerin: „Ich war da gerade auf Abifahrt. Und auf einmal hatten wir keinen Bundespräsidenten mehr. Aber da hat es mich, ehrlich gesagt, nicht interessiert.“ [lacht]
Schülerin: „Für mich war es nur ein komisches Gefühl. Aber ich habe mir jetzt nicht die riesen Gedanken gemacht. Dafür haben wir noch andere Politiker, die das machen können.“
Schülerin: „Ja, dann gab es ja auch schnell einen neuen und dann war es halt so.“ (Berufsschule)

„Ich glaube, wenn das System so lange funktioniert, wird auch niemand daran etwas ändern wollen. Zurzeit funktioniert es noch und Lösungen für unsere Probleme bestehen nicht. Wieso sollte jemand was ändern wollen, solange es noch funktioniert?“ (Berufsschule)

„Wir könnten den Atommüll einfach ins All schmeißen. Irgendwo wird es ja landen. Auch wenn es auf dem Mond einschlägt. Ist doch so scheißegal, leuchtet der immer noch.“ (Berufsschule)

Verweigerung politischer Information wird bei anderen respektiert und sich selbst erlaubt – aus Mangel an Kenntnis, Interesse oder Zeit

„Man kann keinem das Interesse aufzwingen. Ich meine, wenn es für andere Leute nicht interessant ist und die davon einfach nichts wissen wollen, dann kann man ja auch nicht sagen: ‚Komm, das ist so richtig.‘ Wenn sie nicht wollen, wollen sie nicht.“ (Gymnasium)

„Ich finde die Mitbestimmungsmöglichkeit gut. Ich finde andersherum auch gut, dass man nicht mitbestimmen kann, wenn man möchte. Dass man auch sagen kann: ‚Ich habe gerade andere Probleme, zu Hause oder in der Schule und ich will jetzt nicht fünf Briefe bekommen mit irgendwelchen Gesetzesideen, die ich mir durchlesen muss, wo ich mich in die Materie einarbeiten muss, mitentscheiden muss.‘ Also ich finde es ganz gut, auch wenn derzeit die Politik vielleicht nicht ideal ist. Das kann ich nicht richtig beurteilen. Aber ich finde gut, dass man sich schon auf gewisse Weise auf die aktuelle Politik verlassen kann.“ (Berufsschule)

„Keine Ahnung. Mich interessiert es noch nicht. – Ich denke, ich bin noch zu jung, ich verstehe das gar nicht.“ (Sekundarstufe I)

„Politik interessiert mich gar nicht. Mein Bruder ist zwar sehr politisch engagiert, aber mich interessiert es überhaupt nicht.“ (Oberschule)

„Das ist auch der Grund warum ich mich so wenig mit politischer Bildung befasse. Weil aus meiner Sicht so wenig dabei rumkommt.“ (Berufsschule)

„Ach, ich komme einfach mit dieser Politik nicht klar. Das verstehe ich alles nicht.“ (Sekundarstufe I)

„Meine Mitschüler wurden gefragt, was sie von Politik halten. Mehr als die Hälfte der Klasse, oder sagen wir mal 99% der Klasse hat gesagt: ‚Politik ist Scheiße‘ – Entschuldigung, Politik ist nicht gut. ‚Ich interessiere mich nicht dafür. Ich sitze hier meine Zeit ab. Und wenn wir eine Klausur schreiben, dann lerne ich das alles schnell auswendig und dann ist gut.‘ Aber verstehen oder darüber nachdenken, das tut keiner.“ (Berufsschule)

Eine Steigerung des Bildes vom „kleinen Mann“, der nicht wirklich mitentscheiden kann, ist die ebenfalls geäußerte Vorstellung, dass Politiker/innen zusammen mit den Medien von einer anonymen Macht fremdgesteuert werden. Oft wurde „die Großindustrie“ dahinter vermutet.

Passive Bürger/innen seien „dem Staat“ lieber als informierte mit einer eigenen Meinung, die sich ggf. politisch beteiligen könnten und daher unbequem wären. Diese Meinung wurde häufig mit dem Elternhaus geteilt bzw. daher übernommen.

Es bestand vereinzelt ein Bewusstsein, dass die von großen Teilen praktizierte passive Grundhaltung die beschriebene anonyme Großmacht nur befördert.

Entertainment als bewusste Volksverdummung durch Medien statt Nutzen des Potenzials

„Es gibt viele Sender, die haben einfach so eine hohe Einschaltquote. Die man einfach vielleicht mal nutzen sollte, um Wissen zu vermitteln, anstatt einfach nur zu entertainen.“ (Gymnasium)

„Dass man mal guckt, was da so läuft, das ist ja echt krank. Traurig eigentlich, dass man so was im Fernsehen zeigt. Vielleicht ist es ja auch geschürt von der Regierung (…) Am Tag kommt ja relativ wenig Weltgeschehen, sondern X-Diaries oder weiß ich, wie das heißt. Bauer sucht Frau. Also da muss man ja verblöden.“ (Berufsschule)

„Ich finde es ziemlich krass, dass die Leute einfach nur so abgestumpft sind und nur noch darüber diskutieren, was gerade im Fernsehen läuft. Die wissen eigentlich um die Problematik, aber keinen kümmert es, so lange es nicht im Fernsehen lief. Das finde ich auch so einen ziemlich krassen Punkt, den man ändern müsste.“ (Gymnasium)

Korrupter Industriekomplex steuert eine kaum noch veränderbare Scheindemokratie

„Ich habe das Gefühl, dass die allerallermeisten Entscheidungen und politischen Prozesse eigentlich unter ganz anderen Schattendingen laufen, die total untransparent sind.“ (Waldorfschule)

„Bei Politik denke ich zuerst an Macht, an Geld, dass viele Politiker ihre Position ausnutzen, um mehr Geld zu machen. Oder dafür zu sorgen, dass andere weniger Geld kriegen und dass die ganze Politik sich eigentlich nur um Macht dreht. Wer am meisten Macht hat. Wer hat am meisten Geld, am meisten Waffen?“ (Berufsschule)

„Was mich stört, sind die Politiker, die ihre Position ausnutzen, um z.B. ihre eigene Geldbörse aufzubessern. In einer Reportage haben sie Diplomaten gezeigt, die zur EU hinreisen müssen. Die fahren oder fliegen dahin mit ihren teuren Jets und Autos, nur um sich kurz einzuschreiben und fliegen dann schon wieder in ihren Urlaub und kriegen dann halt die Kohle dafür. Aber die tun da eigentlich überhaupt nichts.“ (Berufsschule)

„Mit Politik verbinde ich Leute, die Geld kassieren und nichts tun.“ (Gymnasium)

„Mit diesen Verschwörungstheorien (…) es gibt Leute, die übertreiben das. Aber es gibt Sachen, wo man einfach nur manchmal logisch hinterfragen und sich die Prozesse angucken muss. Dann braucht man eigentlich nur noch schlussfolgern. Wenn sich die Superreichen in irgendwelchen Clubs treffen, die reichsten Leute der Welt und David Rockefeller, hier Ex-Geheimagenten Kissinger und die übelst den Plan von diesem ganzen Weltvorgang haben und sich dann jedes Jahr treffen und beraten, angeblich nicht über Politik reden (…) WikiLeaks und solche Sachen könnten das halt verhindern. Es ist der einzige Weg der Freiheit, der einem so bleibt. Ansonsten ist es einfach nur ein riesengroßes Konstrukt, was durch Macht und Geld regiert wird. Man hat darauf keinen Einfluss, weil man kein Geld und keine Macht hat und das wird auch weiterhin so bleiben. Man lebt im Kapitalismus.“ (Berufsschule)

„Ich glaube, das möchte man gerne so haben, weil es dann einfacher wäre. Man kann dann so schön sagen. ‚Die kassieren Geld und machen nichts und deswegen ist die Welt so scheiße.‘ Statt halt selber mal den Arsch hochzukriegen. (…) Man kann nichts in der Politik tun. Auch wenn wir etwas jetzt machen würden, wir würden da oben spätestens scheitern, also du kannst halt nicht viel ändern. (…) Man redet zwar mit, aber viel ändern kann man nicht.“ (Gymnasium)

„Der Mann von meiner Schwester sagt z.B.: ‚Okay, ich weiß, ich werde manipuliert in den Medien, mich interessiert es nicht so.‘ Der schaltet ab und interessiert sich halt einfach nicht dafür. Genau das ist, glaube ich, die Ge-
fahr, dass die Leute dann sagen: ‚Okay, ich verstehe den Mist nicht und will da auch nicht durchblicken.‘ Deshalb wird es beiseitegeschoben und dadurch legitimieren wir genau diese Leute, die Macht und Geld haben, weiter ihre Macht und ihr Gelddings auszubauen.“ (Berufsschule)

Lobbyismus: Hochwirksames PR-Instrument eines undurchsichtigen, geldgesteuerten Komplexes

„Man muss immer gucken, dass z.B. der Ausstieg aus der Atomenergie eine Lobby begünstigt oder eine andere nicht. Die Politik ist ja in gewisser Weise abhängig von der Industrie. Denn die Industrie ist unser Hauptgeldgeber und ohne Geld funktioniert nun mal nichts in unserem System. Wenn wir uns auch angucken, wer so die Wahlkämpfe sponsert usw. also da muss man sich auch immer überlegen: ‚Was steckt jetzt dahinter?‘ Das ist auch in den Nachrichten so. Z.B. gehört N24 dem Axel Springer Verlag, die werden nichts Negatives über den Axel Springer Verlag berichten usw. Also, das haben wir ja überall in allen Systemen.“ (Gymnasium)

„Bei Politik fällt mir als erstes das Wort Illusion ein. Weil Politik eigentlich ja Entscheidungen sind, das Regieren eines Landes. Aber ich denke dann immer, dass die wirklichen Entscheidungen nicht die Politik trifft, sondern mehr die Industrie.“ (Gymnasium)

Schüler: „Die versuchen, uns einfach zu manipulieren.“ Schülerin: „Also direkt manipulieren würde ich nicht sagen. Schon, dass man vielleicht nicht immer die Wahrheit hört (…) es ist mehr der Inhalt, denke ich mal. Wie alles perfekt klingt, alles so glatt. Es wird schon alles gut gehen und es gibt gar keine Probleme.“ (Berufsschule)

Staat und politische Akteure als anonyme Mächte, die willenlose Bürger/innen bevorzugen

„Jeder denkt an sich, egal welche Partei es ist. Wir denken: ‚Okay, die sind gut.‘ Trotzdem haben sie ein Ziel und wollen das erreichen, was sie wollen und nicht, was eigentlich die Gesellschaft will.“ (Gymnasium)

„Ich denke, um das Volk flach zu halten, damit alles seine Wege geht, damit sich nicht extreme Meinungen bilden und die Bürger vielleicht mal aufmüpfig werden oder ihre Meinung vertreten wollen, dass sie halt freie Hand haben, zu machen, was sie wollen. Was sie ja im Endeffekt trotzdem machen, wie man bei der Atomkraftdemo gesehen hat. Da waren ganz, ganz viele Leute auf der Straße. Und das hat dann niemanden interessiert.“ (Gymnasium)

„Ich denke, es liegt alles daran, dass der Staat nicht will, dass wir uns politisch engagieren. Die Regierung profitiert davon, wenn die Leute möglichst wenig wissen. Sicherlich braucht man Nachschub an Personal, aber das geht alles irgendwie (…) Wenn die Leute wirklich nachfragen und ständig Contra geben würden, gäbe es ja den reinsten Reformsturm. Dann würde ja gar nichts mehr gehen.“ (Gymnasium)

Schülerin „Ich glaube, sie wollen auch, dass die Menschen in Angst leben.“
Schülerin: „Mein Vater hat letztens rausgehauen: ‚Die Terrorwarnung ist auch nur eine Ablenkung von anderen politischen Problemen.'“
Schülerin: „Ja, damit man mehr shoppen geht und sich mehr mit sich selber beschäftigt. Halt nur nicht mit Politik.“ (Gymnasium)

Auch extreme politische Positionen wurden deutlich. Zum Teil als Reaktion auf das Empfinden, dass die Politik die anstehenden Probleme nicht konsequent genug angehe. Ansonsten entzündeten sich extreme Positionen in den Gesprächen häufig an den Themen Integration oder den Auswirkungen des Sozialstaats.

Politischer Ungehorsam bis hin zum Verständnis von Gewalt als Protestform

Interviewer: „Gibt es auch positive Aspekte, die ihr mit Politik verbindet?“
Schüler: „Ja, Joschka Fischer hat mal Steine geworfen.“ (Berufsschule)

„Bevor das Volk nicht auf die Straße geht, wird auch nichts passieren. Das ist halt einfach Fakt, also da kann man Proteste, Demonstrationen, sonst was machen. Das wird einfach nicht funktionieren, bevor es nicht mal richtig knallt hier in Deutschland. Wenn dann wirklich die Leute auf die Straße gehen und Menschen sterben. Also hört sich zwar jetzt hart an, aber ist halt so.“ (Gymnasium)

Abgrenzung gegen als anders oder fremd empfundene Gruppen

„Z.B. in den Spandauer Arkaden, wie da teilweise so türkisch-arabische Gangs quasi sage ich jetzt einfach rumnerven. Also das ist abnormal. Also das kann ich überhaupt nicht tolerieren. Ich finde, da sollte einfach knallhart irgendwas gegen gemacht werden. Wenn solche Sachen offensichtlich sind, dann sollte da auch gehandelt werden.“ (Berufsschule)

„Manche Leute arbeiten sehr hart, aber verdienen so wenig, finde ich. Und die auf Hartz IV sind, sollten ein bisschen weniger verdienen. Weil: Die machen nichts, sitzen nur in der Wohnung und kriegen trotzdem Geld.“ (Oberstufe)