Unaufbereitete Komplexität politischer Themen lässt Jugendliche ratlos zurück

„Manchmal gucke ich mir Politik an. Aber es ist immer schwierig. Man muss sich wirklich konstant damit beschäftigen. Man hört da irgendwelche Neuigkeiten (…) ich kann damit auch nichts anfangen, wenn ich das nicht schon die ganze Zeit verfolgt habe. Es ist nicht so richtig informativ. Also da fallen dann alle drei Minuten wieder irgendwelche Wörter oder Zusammenhänge, die ich nicht kenne.“ (Oberstufenzentrum)

„Ich habe das Gefühl, man sitzt in so einem riesigen komplexen Teil, das es schon ewig gibt, wo etliche Leute seit Ewigkeiten alles Mögliche zu sagen. Und man kann sich dann da reinsetzen und guckt, wie sieht es hier so aus und dann kann man auch wieder gehen. Denn es gibt nie eine Aufbereitung. Es wird, glaube ich, immer davon ausgegangen, dass man ein ziemlich großes Wissen hat. Das ist immer nur so ein ‚Nein, wir haben jetzt das entschieden.‘ Aha.“ (Berufsschule)

Wirtschafts- und Finanzthemen sind besonders schwierig zu durchschauen

„Was viele abschreckt, sind so Sachen wie Haushaltsdiskussionen, wirtschaftliche Sachen. Das Problem ist, dass wir nicht die Bildung haben, um die Sachen zu verstehen. Da schmeißt halt jeder Politiker mit seinen eigenen Zahlen rum. Nachprüfen kann man das ja nicht und dann hat man zehn verschiedene Zahlen, von denen alle behaupten, die wäre richtig und dann versteht man die Thematik meistens nicht ganz. Dann hat man natürlich auch nicht das große Interesse, so was zu verfolgen.“ (Gymnasium)

„Für die meisten Leute, auch für mich, ist das Problem die Logik. Länder haben schon Milliarden Schulden, häufen jedes Jahr, z.B. Deutschland, weitere Milliarden an, sind aber in der Lage, in der Wirtschaftskrise einem Land wie Griechenland Milliarden von Geldern zur Verfügung zu stellen. Da ist für mich keine Logik drin. Wenn ich Schulden habe, kann ich nicht noch mehr Geld verleihen.Das ist das Grundprinzip, das erst mal verstanden werden muss.“ (Gymnasium)

„Ich informiere mich darüber, aber ich schaffe es nicht komplett. Es ist einfach in einem wissenschaftlichen Bereich, den ich durch meine normale Schulbildung nicht erhalte. Ich würde jetzt nicht sagen, dass mein privates Umfeld ungebildet ist. Aber ich glaube, das Umfeld, das es mir erklären könnte, hätte keine Zeit dafür, mir das zu erklären. Und der Rest kann es mir nicht erklären.“ (Berufsschule)

Im Mediendschungel dringen oft nur noch Push-Medien durch

„Also da ist der Fernseher an und um 18 Uhr läuft ja auf PRO7 dann ,Newstime‘ und dann sitze ich vorm Computer und mache da gerade was. Und höre mir das dann nebenbei an, was die dort reden.“ (Oberschule)
„Ich gucke nur U-Bahn-TV.“ (Berufsschule)
„Ja, im Radio oder Fernsehen. Wenn da dann zufällig Politik kommt.“ (Waldorfschule)
„Also, wenn mir überhaupt was gefällt, dann wenn ich meine E-Mails abchecke, was da so steht.“ (Berufsschule)