Unter welchen Bedingungen nehmen Jugendliche Politik wahr?

Aus den Gruppeninterviews ergab sich das hier dargestellte theoretische Modell. Es spiegelt in starker Zusammenfassung die besonders häufig genannten Aspekte politischer Sprache aus der Sicht der Jugendlichen wieder und wird nachfolgend durch Zitate beispielhaft erläutert.
Bei der Auswertung der Aussagen kristallisierten sich schnell zwei Betrachtungsebenen heraus: Die eine Betrachtungsebene bezieht sich auf die Wahrnehmung des politischen Systems, die andere stellt das persönliche Erleben der Jugendlichen in den Mittelpunkt.
Das politische System mit all seinen Facetten wird vor allem als in hohem Maße komplex wahrgenommen. Zu dieser Wahrnehmung tragen bei:

  • die Vielfalt der Medien
  • die Schnelllebigkeit der Medien und folglich schnell veraltete Inhalte
  • permanente, zu einem großen Teil kostenlose Verfügbarkeit von Informationen
  • unterschiedliches Maß an Seriosität und Tiefe, aber auch Anspruch der Sprache
  • breite Auswahl an Meinungen (z.B. durch größere Zahl an Medien, Parteien und NGOs als noch vor 10 Jahren)
  • vielfältige Möglichkeiten der eigenen politischen Haltung und daraus resultierende Entscheidungszwänge, z. B. trotz der gefühlten Orientierungslosigkeit wählen zu gehen

Abbildung 1: Theoretisches Modell auf Basis der Gruppeninterviews, Fokus linkes Feld

Die große Auswahl an Medien wird grundsätzlich begrüßt. So können sowohl gezielt Medien für die schnelle politische Information als auch für das Vertiefen von Themen ausgesucht werden. Nur sehr wenigen Organen wird dabei aber das Prädikat „gut verständlich“ zugeschrieben.
Anlass-, Themen-, Meinungs- und Medienvielfalt sorgen für eine Komplexität, die viel Arbeit mit sich bringt, wenn man sich zufriedenstellend über Politik informieren will.