Einordnung ins Forschungsfeld

In Anlehnung an den Kommunikationsbegriff des Soziologen und Systemtheoretikers Niklas Luhmann wird Kommunikation grundsätzlich als unwahrscheinlich angesehen. Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass die Empfängerseite überhaupt nachvollziehen kann, was an sie gesandt bzw. kommuniziert wurde. Diese Unwahrscheinlichkeit begründet sich z. B. in Sprachproblemen, reicht über Bildungsgrade und damit Verständnisschwierigkeiten bis hin zu individuellen Einstellungsfragen zu einem Thema.

Formell kommt eine Kommunikation bereits zustande, wenn ein „Empfänger“ erkennt, dass sie oder ihn eine Mitteilung erreicht – vergleichbar der Unterschrift beim Erhalten eines Einschreibbriefes. Alles Weitere, vor allem die inhaltliche Auseinandersetzung beim Empfänger, ist bereits Teil einer nachgelagerten Anschlusskommunikation. Welche Reaktion der Inhalt des Einschreibbriefes also beim „Empfänger“ hervorruft (z. B. Zustimmung oder Ablehnung), entscheidet sich eben erst in dieser Anschlusskommunikation.

Wenn also 59,1 % der Befragten(1) finden: „Politiker/innen sprechen absichtlich eine abgehobene Sprache“, gehen sie davon aus, dass diese ihre Botschaften gar nicht vermitteln können, weil die entscheidende Anschlusskommunikation schlicht nicht stattfindet. Aus dieser Perspektive wäre der in der Forschungsfrage(2) erwähnte Austausch zwischen der politischen Ebene und den jungen Bürger/innen unmöglich.

Im Laufe der Forschung stellte sich heraus, dass dieses Projekt eine Vielzahl verschiedener Fachdisziplinen streift. Einige ergänzen sich, wie in der nachfolgenden Grafik illustriert, manche werden nur berührt. Da die Mehrzahl der Forschungsmitglieder aus dem Kommunikationssektor kommt, wäre es anmaßend, eine vollständige Einordnung in fremde Fachbereiche und Forschungsfelder vorzunehmen. Wir beschränken uns daher auf eine eher schematische und überblicksartige Darstellung.

Abbildung 47: Einordnung ins Forschungsfeld

  1. (1) Siehe Abschnitt „Die wichtigsten Zahlen im Überblick; Sprache der Politiker/innen und Medien sowie, Grad der empfundenen Information„.
  2. (2) Siehe Kapitel „Erkenntnisinteresse und Forschungsfrage„.