Projektbeschreibung

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Projektbeschreibung

Beobachtung und Vorhaben

Die Wahlbeteiligung in Deutschland bei jungen Wähler/innen ist erschreckend niedrig. Bei Jugendlichen 
zwischen 18 und 21 Jahren lag sie 2009 bei 63 %, bei den 21- bis 25-jährigen bei 59,1 % (1). Einen Erklärungsansatz bietet eine weitere Statistik, die aussagt, dass ein sehr geringes Vertrauen in Politiker und politische Institutionen insbesondere bei der Generation zwischen 15 und 25 Jahren (2) vorherrscht. Doch wie entsteht dieser Mangel an Vertrauen? Eine wissenschaftlich bislang kaum untersuchte Vermutung ist, dass die 
Sprache von Politiker/innen zu dieser politischen Haltung bei jungen Menschen führt.

Initiiert durch Prof. Dr. Bettina Fackelmann (3) und beauftragt durch die Friedrich-Ebert-Stiftung erforschte von Oktober 2010 bis März 2011 eine fünfköpfige Gruppe Berliner Studierender die Frage nach den Effekten politischer Sprache auf junge Wähler und Wählerinnen: Wie muss die Sprache von Politiker/innen und 
politischen Institutionen sein, die jungen Bürger/innen ein

  • Verstehen des Inhalts ermöglicht und
  • den Austausch über politische Themen zwischen allen Beteiligten fördert?

Die Überzeugung und gleichermaßen Motivation der gesamten Projektgruppe ist ihr Verständnis von Demokratie: Diese kann nicht nur durch einen Teil der Bevölkerung realisiert werden, sie bedarf der Stimme aller Bürger/innen. Wenn ein Teil der Bevölkerung sich ausschließt, ist die Demokratie in Gefahr.

Forschungs- und Projektmanagement-Methoden

Als wissenschaftlicher Forschungsrahmen wurde die „Grounded Theory“ gewählt. Sie gibt – entgegen der ersten Anmutung des Namens – keine zu verifizierenden Theorien vor, sondern ermöglicht Forscher/innen, „die in den Daten schlummernde Theorie zu entdecken.“ (4) Bewusst werden daher zu Beginn keine Hypo-
thesen formuliert, sondern die innere Logik des Forschungsfeldes zu einem Thema durch den gesamten Forschungsprozess durch permanenten Vergleich der erhobenen Daten freigelegt.

Antworten auf die Forschungsfrage gaben Schüler und Schülerinnen zwischen 16 und 19 Jahren, die in Gruppendiskussionen auf der Basis leitfadengestützter Interviews nach ihren politischen Interessen, 
Einstellungen und Empfindungen befragt wurden. Dabei war es ein besonderes Anliegen, einem möglichst breiten Spektrum an jungen Menschen zuzuhören, um so die unterschiedlichen Perspektiven auf die politische Sprache und ihre Effekte zu erhalten. Die Interviews wurden per Tonband festgehalten, transkribiert und anhand von Sinnstrukturen sowie Sprachcodes der Jugendlichen analysiert und interpretiert.

Hierbei wurde das Team maßgeblich durch die Software eines der Sponsoren, die ATLAS.ti Scientific Software Development GmbH, unterstützt. Die gleichnamige Software, siehe www.atlasti.com, ermöglicht einen
strukturierten und somit sicheren Umgang mit den sehr großen Textmengen, welche sukzessive kodiert und miteinander verglichen wurden.

Die Ergebnisse dieses ersten qualitativen Teils wurden durch eine bundesweite Befragung quantifiziert. 
Dazu wurden vor allem mit Unterstützung des sozialen Netzwerks www.schuelervz.net Jugendliche über 
die Online-Umfrage informiert und zur Beteiligung aufgefordert. Insgesamt wurden im Zeitraum zwischen dem 17. Dezember 2010 und dem 5. Februar 2011 insgesamt 30.122 Fragebögen von Jugendlichen komplett ausgefüllt. Dies fand auf dem Server des Anbieters www.soscisurvey.de statt.

Damit stellt die „Sprichst du Politik?“ Studie die größte quantitative Jugendstudie zum Thema Politik im deutschsprachigen Raum dar.

Zum Abgleich erster, sich abzeichnender Ergebnisse mit Experten aus dem politischen Sektor fand im 
Januar 2011 ein Werkstattgespräch statt, in dem die Ergebnisse mit Vertretern aus Medien, Politik und 
Wissenschaft vorgestellt und diskutiert wurden.

Unterstützt wurde der gesamte Prozess durch Scrum, eine Methode des agilen Projektmanagements. 
Diese ist besonders geeignet für ergebnisoffene Prozesse und unterstützte die Selbstorganisation des Teams, damit das Prinzip „junge Menschen befragen junge Menschen“ erhalten blieb. So bestimmten die Studierenden in hohem Maße die Vorgehensweise im Projekt mit und erhielten primär wissenschaftlichen und organisatorischen Beistand. Auch hier wurde das Projekt gesponsort: agilo, ein Produkt der agile42 GmbH www.agile42.com unterstützte das Team in hohem Maße darin, den Arbeitsprozess gemäß Scrum zu organisieren und gleichzeitig einen virtuellen, gemeinsamen Server für die jeweils aktuellen Dateiversionen sowie Diskussionen zu den Arbeitsergebnissen zu nutzen.

Ergebnisse

Die Ergebnisse der Forschung münden in Handlungsempfehlungen für Politiker/innen, Medien und die Schulpolitik. Alle Ergebnisse werden durch die Friedrich-Ebert-Stiftung als gedruckte Publikation herausgegeben bzw. wird auch online für alle Interessierten zugänglich sein.

  1. (1) Jeweils rückläufige Tendenzen im Vergleich zur Bundestagswahl 2005, siehe http://www.bundeswahlleiter.de/…/bundestagswahlen/…/index.html, 25.6.2011: Datei zum Download: Wahlbeteiligung in den Ländern nach Geschlecht und Altersgruppen 2009 in Prozent
  2. (2) http://www1.bpb.de/…Erstwähler_in_den_neuen_Bundesländern.html 25.6.2011
  3. (3) Beratung für konstruktive Kommunikation, www.bettina-fackelmann.de, Professur für PR/ Kommunikationsmanagement an der design akademie berlin (FH), Fachbereich Marketingkommunikation, ab August 2011 Professur für „Integrated Marketing Communication“ an der Al Akhawayn University, Ifrane/ Marokko
  4. (4) Legewie, H., Schervier-Legewie, B. (1995): Im Gespräch: Anselm Strauss. Journal für Psychologie 3 (1). S. 64–75