Prof. Dr. Bettina Fackelmann

Interview

Was hat dich ursprünglich motiviert, bei diesem Projekt mitzumachen?

Mein Entschluss, dieses Projekt zu initiieren, reifte im Verlauf vieler Gespräche, Vorträge und der teils sehr nachdenklich stimmenden Erfahrung als Professorin, die auf – insbesondere weibliche – Studierende traf, welche an wesentlichen politischen Themen kein Interesse zu haben schienen. Dem wollte ich wissenschaftlich auf die Spur kommen.

Erinnerst du dich an dein erstes oder wichtigstes bewusstes politisches Erlebnis? Wie war das?

Willy Brandt und Helmut Schmidt als Redner im Bundestag im Schwarz-Weiß-Fernsehapparat meiner Eltern. Obwohl ich inhaltlich mit meinen drei, vier Jahren nicht allzu viel verstand, war ich gebannt von der Strahlkraft dieser beiden Männer. Und erinnere mich zudem noch genau, wie das Rednerpult im Bonn aussah: seriös und zeitlos modern.

Was hat sich in deinen Einstellungen im Verlauf der Studie in Bezug auf Sprache, Politik bzw. Jugendliche geändert und warum?

Gerührt war ich davon, was in allen Interviews zutage trat: Es existiert offenbar unabhängig vom formalen Bildungsgrad ein klares Bewusstsein, dass politisches Interesse und eine wie auch immer geartete Beteiligung als Bürger/ in sinnvoll ist. Erschrocken bin ich über das breite Misstrauen gegenüber dem politischen System. Es bedarf meines Erachtens umsichtiger und harter Arbeit, bei dieser Generation wieder Vertrauen zu erringen.

Was wünschst du dir als Effekt dieser Studie?

Ich wünsche mir, dass unser Ansinnen, einen Dialog zu eröffnen, von den politischen Akteuren und den Medienvertreterinnen und -vertretern, erkannt und aufgenommen wird. Es gibt Gründe für den aktuellen Status, die auch die Befragten nicht allein den Politiker/innen ankreiden. Meines Erachtens ist uns eine die relevanten Themen umfassende Bestandsaufnahme gelungen. Aber allein ein konstruktiver Dialog kann dazu beitragen, das aktuelle politische System in einen besseren Zustand zu überführen. Politiker/innen, Journalist/innen, Lehrer/innen und die Schüler/innen selbst sind aufgefordert, daran zu arbeiten. Speziell die Bildungspolitik ist aufgefordert, ihren Anteil beizutragen. Ich bin nach dieser Studie umso mehr überzeugt, dass im Kern alle Beteiligten eine funktionierende Demokratie wollen – und hoffe, zusammen mit einem unglaublichen Team, einen Beitrag zur Erreichung dieses Zieles geleistet zu haben und weiter leisten zu können.